
Wir in Dänemark sollten uns zunächst einmal selbst dafür loben, wie offen wir für Veränderungen sind. Ich habe fast nur Erfolgsgeschichten über die digitale Transformation gehört, die wir durchlaufen haben.
Interview mit Claus Kenberg, Director of E-commerce & Marketing, GoGift

Wie würden Sie digitale Führung im Jahr 2021 beschreiben?
Im Zusammenhang mit Covid-19 ist digitale Führung für mich zu einer Praxis geworden, die aus der Distanz stattfindet – dank digitaler Tools war es jedoch einfach, die Zusammenarbeit und das Vertrauensverhältnis zu den Kollegen aufrechtzuerhalten. Angesichts des großen digitalen Sprungs, den wir während der Pandemie gemacht haben, glaube ich, dass sich digitale Führung auf ein neues, anderes und vor allem besseres Niveau entwickelt hat.
Wir als Führungskräfte standen vor der Herausforderung, den Kontakt trotz räumlicher Distanz nicht zu verlieren, und es gab auch andere Nachteile. Bei GoGift haben wir jedoch auch Vorteile in Form von mehr Flexibilität gesehen und eine andere Art des Vertrauensverhältnisses ermöglicht, als wir es bisher gewohnt waren.
„Transparente Kommunikation und Führung sind – und waren – schon immer entscheidend. Das müssen wir auch digital umsetzen können.“
Was sollte heute das absolute Minimum an Voraussetzungen sein?
Die neuen digitalen Möglichkeiten haben uns gezeigt, dass wir unter den richtigen Umständen effizienter aus der Distanz arbeiten können – sowohl in Bezug auf die eigentliche Arbeit als auch im Hinblick auf eine solide Work-Life-Balance. Bei GoGift hat jeder einen Laptop, den er mit nach Hause nehmen kann und auf dem alle benötigten Programme und Zugänge installiert sind. Ich würde sagen, dass effektives Arbeiten von zu Hause aus in einem modernen Unternehmen durchaus machbar sein sollte.
Wie bewahrt man digital eine gute Unternehmenskultur?
Bei GoGift ist das Digitale schon immer Teil unserer DNA gewesen, daher ist dies nicht die größte Herausforderung. Gleichzeitig haben wir jedoch weitreichende globale Visionen, weshalb es nicht nur darum geht, unsere Unternehmenskultur digital, sondern auch global weiterzuführen. Glücklicherweise lässt sich beides gut miteinander verbinden.
Wie lässt sich die kreative Entwicklung aufrechterhalten?
Wer mich kennt, würde mich wahrscheinlich als Whiteboard-Fanatiker bezeichnen. Daher war das Arbeiten ohne physisches Whiteboard für mich kreativ gesehen eine Herausforderung. Anstatt spontan einige Kollegen von GoGift vor einem Whiteboard zu versammeln, mussten wir uns anpassen und diese Option auf Chats und virtuelle Whiteboards übertragen. Das hat viel besser funktioniert als befürchtet und zeigt, wie viel sich beim Angebot digitaler Tools getan hat.
Ist es eine Herausforderung, Mitarbeiter zu halten?
Ich habe dies während der Covid-19-Zeit nicht so erlebt und empfinde es auch generell nicht als Herausforderung. Ich glaube jedoch, dass die neuen digitalen Möglichkeiten dazu beitragen, dass Unternehmen die Vorteile erkennen, die uns digitale Arbeitsweisen aufgezeigt haben. Ich denke, dass Homeoffice in Zukunft häufiger vorkommen wird, und insbesondere die jüngeren Generationen werden höhere Anforderungen an die Flexibilität stellen.
Was sind die wichtigsten Erkenntnisse, die wir beibehalten oder ablegen sollten?
Wir in Dänemark sollten uns zunächst einmal selbst dafür loben, wie offen wir für Veränderungen sind. Ich habe fast nur Erfolgsgeschichten über die digitale Transformation gehört, die wir durchlaufen haben.
„Ich denke, die wichtigste Erkenntnis ist, dass digitales Arbeiten von zu Hause aus kein Schwarz-Weiß-Szenario ist – wir haben gelernt, dass die damit verbundene Flexibilität ein großer Vorteil ist.“
Viele Arbeitsaufgaben lassen sich von zu Hause aus besser erledigen, und auch Transportwege und Reisen können ohne negative Folgen reduziert werden.
Wie sehen Sie die Veränderungen bei Entscheidungsprozessen und der Einbindung der Mitarbeiter?
Bei GoGift hat dies derzeit keine wesentlichen Veränderungen verursacht. Unsere Meetings wurden einfach online über unsere Chat- und Konferenztools verlagert. Ich sehe zwar, dass digitale Arbeitsformen zu schlechteren Prozessen, unzureichender Einbindung von Stakeholdern oder geringerer Entscheidungskompetenz führen können. Dennoch halte ich es für am wichtigsten, dass Führungskräfte nicht den Kontakt verlieren, nur weil man sich nicht sieht. Alle Kollegen sind genauso erreichbar wie im Büro. Es erfordert lediglich, dass wir uns anpassen.
Wie gestalten Sie das Onboarding neuer Mitarbeiter, wenn eine physische Anwesenheit nicht möglich ist?
Bei GoGift hatte ich tatsächlich einen Mitarbeiter, der genau an dem Tag anfing, als Dänemark in den Lockdown ging. Das eigentliche Onboarding erfolgte dann über unser Videokonferenzsystem, was sich gleichzeitig als Vorteil erwies, da wir die Sitzungen aufzeichnen konnten. So hatte der neue Kollege für jede seiner neuen Arbeitsaufgaben einen kleinen Film. Es war ein anderes Onboarding, aber nicht unbedingt ein schlechteres. Aus Führungssicht halte ich es für am wichtigsten, dass die Führungskraft sichtbar und erreichbar ist und generell die virtuelle Tür zum virtuellen Büro offen hält.
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